Gemeinde Moos Gemeinde Moos

Geschichte

Erarbeitet von Werner Reinhard in Zusammenarbeit mit dem Deggendorfer Kreisarchäologen
Dr. Karl Schmotz. Ferner wurden Texte aus mehreren geschichtlichen Schriftstücken verwendet.
Näheres entnehmen Sie bitte dem Literaturverzeichnis.
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Erste Zeichen menschlicher Besiedelung

Moos liegt etwa vier km südlich der Donau zwischen Plattling und Osterhofen in der ehemaligen Isaraue, worauf sich der Ortsname (Moos = Sumpf) bezieht. Die bislang ältesten Spuren der Anwesenheit bäuerlich wirtschaftender Menschen befinden sich im Bereich der Arco-Brauerei. Es handelt sich um eine von zwei Gräben umschlossene Siedlung der mittleren Jungsteinzeit, die 1979 auf einem Luftbildflug entdeckt und in den Jahren 1986 und 1988 von der Kreisarchäologie Deggendorf zu einem kleinen Teil archäologisch erforscht wurde. Die Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass auf einer zwischen Isar- und Donautal gelegenen und dadurch natürlich geschützten Lössterrasse im frühen 5. Jahrtausend v. Chr. eine etwa 4 ha umfassende Grabenanlage errichtet wurde. Sie gehört – um in der archäologischen Fachterminologie zu bleiben – dem Südostbayerischen Mittelneolithikum an, einer Kulturerscheinung, die bereits um 4500 v. Chr. endet und sich besonders durch die aus dem Osten inspirierten großen Kreisgrabenanlagen manifestiert. Diese Kreisgrabenanlagen, von denen jene von Künzing-Unternberg die bekannteste ist, werden als Kultplätze interpretiert. Sie liegen in der Regel innerhalb von Siedlungen, die zusätzlich auch befestigt sein können. Diese vom sonst üblichen Siedlungsschema abweichenden Plätze können als Zentralorte interpretiert werden, von denen aus Herrschaft – in welcher Form auch immer – ausgeübt wurde. Die Errichtung umfangreicher Grabenanlagen ist nur durch die Existenz einer zentralen Gewalt erklärbar, die allein in der Lage war, die für die Erdarbeiten notwendigen Arbeitskräfte zu mobilisieren. Die Entdeckung von Moos gehört zu den wichtigen für die Kenntnis der niederbayerischen Jungsteinzeit.

Im Bereich der jungsteinzeitlichen Siedlung kam auch eine kleine Gruppe von sechs Körpergräbern der mittleren Latènezeit, d.h. der von etwa 500 v. Chr. bis zum Beginn der römischen Herrschaft andauernden keltischen Zeit, zum Vorschein. Die Gräber von Moos datieren in das dritte Jahrhundert v. Chr. und repräsentieren einen in unserem Raum bis heute nur wenig erforschten Kulturabschnitt.

Das römische Kastell auf dem Bürgfeld

Das Bürgfeld liegt direkt oberhalb des Weilers Burgstall am Rand der hier stark ausgeprägten lössbedeckten Hochterrasse über der Isarniederung. Das Gelände auf dem Bürgfeld ist heute unbesiedelt und dient einzig der Landwirtschaft. Auf diesem Gelände wurden immer wieder Gefäßscherben entdeckt, die auf eine frühere Besiedlung hindeuteten. Bei Ausgrabungen der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in den Jahren 1978 – 1981 gelang der Nachweis sowohl eines römischen Militärlagers samt umgebender Zivilsiedlung als auch einer Besiedlung bereits in vorrömischer Zeit.

Außerdem entdeckte die Luftbildarchäologie den Verlauf zweier römischer Fernstraßen, die unterhalb des Bürgfeldes aufeinander trafen, nämlich die von der Provinzhauptstadt Augsburg kommende Isartalstraße und die zwischen Regensburg und Passau verlaufende Donausüdstraße. So ist es nicht verwunderlich, dass auf dem Bürgfeld von ca. 80 – 120 n. Chr. ein römisches Kastell lag, das diesen wichtigen Straßenknotenpunkt und den (damaligen) Isarübergang sicherte. Erst später verlegte die Isar ihr Hauptbett weiter nach Westen, so dass der Flussübergang in Plattling war. Obwohl die Nutzung des Militärlagers nur sehr kurzfristig war entwickelte sich eine recht stattliche Zivilsiedlung, die auch nach dem Abzug des Militärs weiter existierte und erst durch germanische Übergriffe nach der Mitte des 3. Jahrhunderts ihr Ende fand.

Der frühmittelalterliche Adelsfriedhof auf dem Bürgfeld

In den frühmittelalterlichen Gräbern des Bürgfeldes wurden u.a. wohlhabende Krieger bestattet, die vom bairischen Herzog zur Sicherung der Straßen, des Isarüberganges und des anzunehmenden Herzogshofes eingesetzt waren. Unter ihnen befand sich auch ein awarischer Reiter, der wahrscheinlich für die Ausbildung kleiner Kavallerieeinheiten verantwortlich war. Die Krieger lebten mit ihren Familien im heutigen Ortsteil Kurzenisarhofen

Doch es gibt noch einen zweiten Ort in der Gemeinde Moos, der den Namen Isarhofen trägt. Es handelt sich um Langenisarhofen, das vor der Gebietsreform von 1976 eine selbstständige Gemeinde war.
Beide Ortsteile sind räumlich deutlich von einander getrennt. Die namentliche Unterteilung in Kurzen- bzw. Langenisarhofen ist spätestens seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die heutige Zweiteilung des Ortes geht aber offensichtlich schon auf das Frühmittelalter zurück. Zu dieser Zeit bestand wohl bereits eine klare Trennung zwischen der Siedlung der adeligen Familien mit ihrem Gefolge und einer Siedlung von Bauern und Handwerkern mit mindestens 42 Hofstellen in Langenisarhofen.

Isarhofen

Eine Güterbeschreibung des Kloster Niederaltaich aus dem späten 8. Jahrhundert, der Breviarius Urolfi, gibt erstmals schriftliche Kunde von einem Ort mit dem Namen Isarhofen.
Man nimmt an, dass Abt Urolf nach der Beseitigung des bairischen Herzogtums im Jahre 788 den Besitzstand des Klosters dem fränkischen König gegenüber nachweisen musste

Im Breviarius ist vermerkt, dass das Kloster bei seiner Gründung im Jahre 741 vom baierischen Herzog Odilo eine Villa Isarahofa mit dem zugehörigen umfangreichen Besitz von 42 Hofstellen und Wald erhielt. Gleichzeitig wird ein Mann namens Starcholf genannt, der den Herzog bittet, diesen Besitz dem Kloster zu vermachen.Aus dem Absatz im Breviarius Urolfi ist folgendes zu schließen: Bereits im Jahre 741 existierte Isarhofen, es ist also früher gegründet worden. Dieser Ort mit einem umfangreichen Besitz gehörte dem baierischen Herzog Odilo. Auf seine Veranlassung hin bzw. mit seiner Zustimmung übergab der Herzog Isarhofen (Hof an der Isar) dem Kloster Niederaltaich. Starcholf dürfte ein bedeutender Lehensmann gewesen sein, ohne dessen Einverständnis der Herzog nicht über Isarhofen verfügen konnte.

Erste Nennung von Moos

Die Geschichte der Ortschaft Moos beginnt nahezu ein halbes Jahrtausend später wie die von Isarhofen. Seine Entstehung verdankt Moos wohl ausschließlich der Anlage eines befestigten Herrensitzes. Anfangs des 12. Jahrhunderts gab es in unserer Gegend viele befestigte Sitze, deren Inhaber mit wenigen Ausnahmen nicht freie Herren waren, sondern abhängige Dienstleute im Dienste der weltlichen und geistlichen Herren. In Moos saßen ursprünglich Ministerialen des Kloster Niederaltaich.

Die Grafen von Bogen begannen schon im 11. Jahrhundert ihre Machtstellung im Donauraum aufzubauen und waren bis zu ihrem Aussterben 1242 die beherrschende politische Größe im Umland. Ihr Einfluss im Gebiet der Mündung der Isar in die Donau ist auch daraus ersichtlich, dass sie dort Verkehrswege zu Wasser und zu Lande kontrollierten. Einen Ministerialen, der sich nach Moos nannte und im Dienst der Grafen von Bogen stand, treffen wir zum ersten Male 1207 in einer Urkunde des Klosters Niederaltaich. Hier unterzeichnete ein Ebo de Palude (= de Moos) mit anderen Personen eine Urkunde, in der es um den Ersatz für die Schäden, die dem Kloster durch den Grafen Albert von Bogen 1207 zugefügt worden sind ging. Er und seine Söhne erscheinen später noch des öfteren als Zeugen in Urkunden des Klosters Niederaltaich. Viel Unheil brachten diese Männer im Namen der Bogener Grafen über die Gegend. Ein Burgstall (Schlosshügel) zwischen Sammern und Forstern, der sich noch heute sichtbar aus dem Umland erhebt, könnte der Sitz dieses Ebo von Moos gewesen.

Herrschaftssitz Moos

Nachdem der letzte seines Geschlechts, Graf Albert von Bogen, am 15. Januar 1242 verstarb, konnte man seine beiden räuberischen Gehilfen Albert und Wernhard von Moos festnehmen. Für ihre Verbrechen wurden sie am 27. Januar 1242 in Hengersberg auf dem Marktplatz öffentlich hingerichtet. Es war selbstverständlich, dass das Kloster Niederaltaich Burgen in seiner Nachbarschaft, von denen Gefahr ausging, unschädlich machen wollte. Aber erst 1270, als der Mooser Besitz durch Tausch in die Hände des Klosters Niederaltaich kam, ließ es den befestigten Edelsitz schleifen. Das Gebiet wurde jetzt als Lehen an eigene Gefolgsleute vergeben.

Rund 100 Jahre nach der Zerstörung der Burganlage hört man wieder etwas über einen Herrensitz in Moos. Die Aichberger waren 1340 durch Kauf in den Besitz von Moos gelangt und hatten schon mindestens 100 Jahre vorher zu den Lehensmännern von Niederaltaich gezählt. Die Gesinnung dieser Familie und vor allem die völlig veränderten Zeitverhältnisse, die eine Wiederkehr früherer Gefahren für das Kloster unmöglich machten, werden den Abt von Niederaltaich bewogen haben, als Lehensherr den Wiederaufbau der Burg zu gestatten. Im Jahre 1377 stiftet Heinrich der Aichberger in seiner Behausung in Moos, in der St. Georgenkapelle eine tägliche Messe.
Im Frühsommer 1504 drangen die Pfälzischen Truppen während des Landshuter Erbfolgekrieges in die Mauern der Wasserburg Moos, legten den Burgwart in Fesseln, raubten alles, was sie rauben konnten und steckten die Burg in Brand. Auch ein großer Teil der Ortschaft fiel dem Feuer zum Opfer, noch 16 Jahre später waren einzelne Häuser zerstört. 1520 war das Schloss wieder aufgebaut mit vier ganzen Türmen und drei Halbtürmen, einer Ringmauer und einem Wassergraben umgeben. Die Aichberger herrschten fast 200 Jahre (1340 – 1511): Sie waren ein tüchtiges, mächtiges und reiches Geschlecht.

Der bayerische Geograph Philipp Apian bezeichnete im 16. Jahrhundert das Schloss als eine arx splendida (eine prächtige Burg). Und so blieb es bis zum 15. Mai 1619; als an diesem Tag um 7 Uhr früh ein einfältiger Mensch wie die Bauinschrift im Schlosshof meldet, das Uhrwerk im Schlossturm ausbrennen wollte. Dabei entstand ein großer Brand, der fast den halben Teil des Schlosses samt der St. Georgskapelle einäscherte.

Vom Wiederaufbau meldet die gleiche Bauinschrift, Herr Johann Warmund von Preysing (1567 – 1648) habe all das wiederum repariert und zwar diesen vorderen Stock samt den Ecktürmen und der St. Georgskapelle von Grund auf erbaut, die anderen 3 Teile um einen Gaden (Stockwerk) erhöht, inwendig erweitert verbessert und in diese Gestalt gebracht, dann auch den Turm im äußeren Maierhof samt den Bräuhaus, allen Städeln und Stallungen von Neuem erbaut. Die Preysings waren von 1568 – 1940 die Herren auf Schloss Moos.

Der letzte männliche Preysing und Erbe des Besitzes S. H. Kaspar Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos starb 1940 im Alter von 21 Jahren. Er war der einzige Sohn aus der Ehe S. H. Georg Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos (1887 – 1924) und I. K. H. Prinzessin Gundelinde (1891 – 1983), eine Tochter des letzten Bayernkönigs Ludwig III. Kaspars Schwester I. H. Theresia Gräfin von Preysing-Lichtenegg-Moos heiratete im Jahre 1940 Ludwig Graf von und zu Arco-Zinneberg, seitdem ist die Familie Arco-Zinneberg Besitzer der Herrschaft Moos.

Das Wappen der Gemeinde Moos :


Darstellung: Über grünem Dreiberg in rot eine silberne Zinnenmauer, dahinter aufwachsend drei silberne Pappeln.

Die Zustimmung zur Wappenführung erteilte das Staatsministerium des Innern mit Entschluß vom 31. Oktober 1952 (Nr. I B ıi – 3008/93). Das Hoheitszeichen weist durch die Zinnenmauer als dem Wappen der Grafen von Preysing auf die fast 450 jährige Schloss- und Gutsherrschaft der Familie, durch den Dreiberg auf das Wappen des früheren Benediktinerstifts Niederaltaich hin. Das Gut Moos war mindestens seit dem 13. Jahrhundert von der Abtei lehensrührig, die Veste (= Festung) Moos wurde um 1350 mit ihrer Erlaubnis wieder aufgebaut. Erst gegen 1500 erloschen die klösterlichen Rechte über die Hofmark Moos. Die drei Bäume versinnbilden die große Bedeutung der Mooser Pappelzucht in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, die in der Holzwirtschaft im gesamten In- und Ausland ein Begriff war..

Literaturverzeichnis

Johann Gruber, Mittelalterliche Herren und Dienstmannsitze im Umland von Deggendorf, in: Deggendorfer Geschichtsblätter 8, 1987, 105-120.

Uta von Freeden, Der frühmittelalterliche Adelsfriedhof auf dem Bürgfeld bei Moos-Burgstall, Archäologische Denkmäler im Landkreis Deggendorf 3 (Deggendorf 1992).

Franz Ser. Scharrer, Ältere Geschichte von Schloss Moos, in: Verhandlungen des Historischen Vereins von Niederbayern Bd. 25 - 29

Karl Schmotz, Befestigung des Mittelneolithikums und keltische Gräber in Moos, Lkr. Deggendorf, in: Ausgrabungen und Funde in Altbayern 1987/88, Katalog Gäubodenmuseum Straubing 13 (Straubing 1989) 15-18.

Georg Stadtmüller/Bonifaz Pfister, Geschichte der Abtei Niederaltaich 731 – 1986, Neudruck (Grafenau 1986).